Hunger, Elend, die Sehnsucht, der Armut zu entfliehen oder noch schlimmer, Gewalt, Terror und Bürgerkrieg, hat die Eltern jener Jugendlichen, die heute unsere Werkstätten „unsicher machen“ dazu bewogen, ihre Heimat zu verlassen und in der Hauptstadt einen Neuanfang zu wagen. In Berlin angekommen unterliegen sie dem deutschen Recht, das auch eine Pflicht darstellt und zwar, für die Jugendlichen, das der Schulpflicht. Der Bezirk Neukölln setzt sich seit geraumer Zeit mit diesem Thema auseinander und hat speziell für diese Gruppe sogenannte Willkommensklassen eingerichtet in denen eines ganz klar im Vordergrund steht – schnell Deutsch lesen, schreiben und sprechen können. Im Gegensatz zu anderen Schulklassen in Berlins Dualem Schulsystem gibt es für diese Klassen keine außerschulische Berufsorientierung. In ein, zwei Jahren drängen diese Jugendlichen auf den Arbeitsmarkt und drohen ohne präventive Maßnahmen dem Transfersystem der Republik anheim zu fallen.

Genau an dieser Schnittstelle setzt unser Pilotprojekt „Arbeiten um zu lernen, lernen um zu arbeiten“ an.

Seit dem 01.10.2013 führt die KUBUS gGmbH in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Neukölln Abt. Bildung,  der Abt. Jugend, der Abt. Arbeit und Soziales und der regionalen Schulaufsicht Neukölln ein Pilotprojekt zur praktischen Berufsorientierung für neu zugewanderte Jugendliche im Alter zwischen 13-16 Jahren durch.
Wie funktioniert das?

In einem ersten Modul bietet das Projekt vier bereits bestehenden „Willkommensklassen“ die Möglichkeit, jeweils einen Tag in der Woche für sechs Stunden in den KUBUS-Werkstätten ihre praktischen Fähigkeiten zu erkunden und den realen Arbeitsalltag in Betrieben kennen zu lernen. Die Schüler durchlaufen unter der Anleitung unserer erfahrener Werkstattleiter mehrere Arbeitsfelder und lernen die klassischen handwerklichen Einsatzfelder in unseren Holz-, Metall- und Textilwerkstätten sowie den großen Bau- und Grünbereich kennen. Ziel ist neben der Überführung in die Regelklasse die konkrete Formulierung eines Berufswunsches bis hin zur Ausbildung.

In einem zweiten Modul wurde speziell für dieses Projekt eine besondere Kerngruppe aus unterschiedlichen Willkommensklassen mit erhöhtem Förderbedarf gebildet. Eine reelle Chance auf einen Schulabschluss haben die Schüler zu Beginn des Projektes noch nicht. Die Kombination aus intensivem Deutschunterricht und der täglichen praktischen Berufsorientierung (4h/2h) bei KUBUS soll diese Chance deutlich erhöhen, damit sie am Ende der Projektlaufzeit die Berufsbildungsreife erwerben können. Dem Erwerb von berufsrelevanten Schlüsselkompetenzen kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, denn die sind Voraussetzung für eine Vermittlung in weitere berufliche Maßnahmen.

Last not least findet in einem dritten Modul individuelles Jobcoaching für nicht mehr schulpflichtige Jugendliche im Alter von 17 – 27 Jahren zur besseren Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt statt.

Eine insgesamt runde Sache wie wir finden mit dem Ziel einer reellen Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

Lesen Sie hier unsere Konzeption als pdf

Weiteres Aktuelles und Interessantes rund um das Projekt finden Sie unter http://kubus-berlin.de/kubus-esf